Rentrée 2020: Wenn Fehler sich wiederholen

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Kommentar – Sven Clement 

 

„Wo sich der Esel einmal stößt, da stößt er sich nie wieder“ oder etwa doch?  

Nachdem unsere Familien und Integrationsministerin im Frühling 2020 miterleben musste, was geschieht, wenn man sich vor der eigenen Verantwortung drückt und Entscheidungen mit erheblicher Bedeutung für die öffentliche Gesundheit einfach offenlässt, hatten wir alle angenommen, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholen würde – falsch gedacht.  

Zur Erinnerung: Viele Menschen, darunter gerade jene, die sich selbst am wenigsten helfen konnten, wie Personen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sowie pflegebedürftige Familienangehörige, die in speziellen Einrichtungen versorgt wurden, litten während den ersten Monaten der Corona-Krise unter den strengen Isolationsvorschriften, die von den Direktoren/-innen einiger Häuser beschlossen worden waren.  

Die Politik hatte die Leiter/-innen der Einrichtungen alleine gelassen. Anstatt klare Regeln aufzustellen, wurden (nach langem Zögern) unverbindliche Empfehlungen ausgesprochen mit dem Vermerk, dass die Führungsebene der Häuser trotzdem allein die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Bewohner tragen müsseMit ihren Ängsten und Unsicherheiten alleine gelassen, hatten einige Einrichtungen sehr strenge Isolationsvorschriften ausgearbeitet, um sicherzustellen, dass niemand ihnen vorwerfen könnte, nicht alles in ihrer Macht Stehende versucht zu haben, um die Menschen in ihrer Obhut vor COVID-19 zu schützen. Dass sie dabei in einigen Fällen übers Ziel hinausgeschossen haben, wurde der Öffentlichkeit und dem Ministerium spätestens dann klar, als erste Stimmen von den unhaltbaren Zuständen aus dem ‚CIPA Blannenheem berichteten:  Aus Angst vor der neuen Krankheit waren Menschen wochenlang ohne soziale Kontakte und ohne Möglichkeit an die frische Luft zu kommen in ihren Zimmern eingesperrt worden.  

So musste auch Familien– und Integrationsministerin Corinne Cahen einsehen, dass sie es versäumt hatte, frühzeitig klare Richtlinien zu kommunizieren. Während die Gesundheitsministerin sehr schnell klare Regeln für Privatpersonen und Geschäfte aufstellte, hatte die blaue Ministerin ihr Ressort vernachlässigt – und ihr Pateikollege Claude Meisch, scheint aus diesem Fehler nichts gelernt zu haben.  

 Seit einigen Wochen drücken große und kleine Schüler/-innen in Luxemburg wieder die Schulbank.
Was ihren Alltag 
dabei dominiert, ist vor allem eins: Unsicherheit.  

Weder Schüler/-innen noch Lehrer/-innen haben aktuell das Gefühl, dass Bildungsminister Meisch eine klar durchdachte Vorstellung davon hat, wie mit dem Risiko der neuen Krankheit umzugehen ist. Als Konsequenz fühlen sich die Direktoren/-innen und Präsidenten/-innen der verschiedenen Schulen gezwungen, selbst klare Regeln aufzustellen, und greifen dabei aus Angst nicht genug getan zu haben, manchmal zu etwas zu extremen Maßnahmen (genauso, wie es im Frühling auch schon im Pflegesektor geschah) 

So wurden in den sozialen Medien in den letzten Tagen beispielsweise Stimmen von Schülern aus luxemburgischen Sekundarschulen laut, die sich beschwerten, dass sie im Unterricht stark frieren würden, weil alle Fenster und Türen während eines Unterrichtstages ununterbrochen offenstehen müsstenobwohl mittlerweile unverkennbares Herbstwetter herrscht.  

Die Situation an den Schulen ist angespannt: Die Leiter/-innen der Schulen sind sichtlich verunsichert und versuchen die Situation mit diversen Maßnahmen so gut zu meistern, wie es ihnen eben möglich ist. Die Vorschullehrer/-innen fühlen sich von der Politik vernachlässigt, weil viele der ministeriellen Empfehlungen bei sehr kleinen Kindern (die gerne alles anfassen und husten und niesen, wie es ihnen gerade passtnicht anzuwenden sind. Und das restliche Lehrpersonal resigniert täglich ein wenig mehr vor den diffusen Empfehlungen des Ministeriums, die sie nicht nachvollziehen können.  

Dass das Bildungsministerium den Schulen in einigen Fragen den Freiraum für eigene Entscheidungen lässt, bedeutet nicht, dass es sich von jeglicher Verantwortung entbinden kann. In Krisenzeiten muss es die oberste Priorität eines Ministers sein, die Menschen mit klar kommunizierten und objektiv begründeten Regeln durch die schwere Zeit zu begleiten. Sich vor der eigenen Arbeit und Verantwortung zu drücken und die Situation nur zu verkomplizieren durch einigwenige Richtlinien, die verspätet aufgesetzt und unzureichend erklärt werden, ist unfair gegenüber dem Lehrpersonal und schadet der Bildung unserer Kinder.  

 

 

 

  

 

 


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